Das Leben der Anderen

 
Dieses Seminar beleuchtet in der Öffentlichkeit weniger wahrgenommene Bereiche der DDR.
 
Ein Rückblick auf die DDR lässt eine doppelte Wirklichkeit erkennen. Auf der einen Seite sonnte sich die SED-Führung in einer Reihe von Erfolgen. Als Mitglied der Vereinten Nationen  genoss die DDR weltweite, wenn auch nicht uneingeschränkte Reputation. Ihre Wirtschafts- und Sozialordnung galt vielen Beobachtern geradezu als vorbildlich. Und die innenpolitische Stabilität zeigte sich in Wahlergebnissen, die stets bei 99 Prozent Ja-Stimmen für die Kandidaten der Nationalen Front lagen. Gerade hier manifestierte sich freilich auch die andere Seite der DDR-Wirklichkeit. Hinter der demokratischen Fassade herrschte eine Parteidiktatur, die keine Meinungsfreiheit zuließ. Entgegen den propagandistischen Erfolgsmeldungen näherte sich die Wirtschaft des Landes immer mehr dem Kollaps.

Dennoch haben es auch noch so ausgefeilte Methoden der „Stasi“ nicht vermocht, aufkommende Kritik zum Schweigen zu bringen und die SED-Führung vor einer Bloßstellung zu bewahren.
  • Wie sah es in der Wirklichkeit aus?       
  • Wie ging man um mit Andersdenkenden; wie zum Beispiel Kriegsdienstverweigerern, Künstlern, Christen...? 
  • Wie geht man heute um mit dem Wissen aus circa 180 km überliefertem Aktenmaterial des Ministeriums für Staatssicherheit und anderer Quellen?

Diese Fragen sollen an Beispielen der Zeitgeschichte das Seminargeschehen bestimmen.

Wozu brauchen wir diese Debatte?

„Weil es um unsere Vergangenheit geht, also um unser Leben. Eine Gesellschaft, die sich nicht erinnert, ist nicht lebendig, hat kein Selbstbewusstsein. Vor allem aber können wir aus dieser Geschichte lernen. Die Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur verhilft dazu, den Wert von Freiheit, Recht und Demokratie besser schätzen zu können. Es geht also nicht um einen neuen großen Aufschlag. Doch lohnt es sich darüber nachzudenken, ob es möglicherweise weiße Flecken in der Aufarbeitung gibt.“ (Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR Marianne Birthler, Interview Tagesspiegel, 12.06.2006).

Dozentin: Sonja Münnich